Ernährungspraxis Dr. Berling-Aumann
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Säure-Basen-Haushalt



 

Ausgeglichen durch Trennkost, Fasten oder doch durch ausgewogene Ernährung?

 

von Nadine Berling-Aumann, 22.06.12

 

Wer von Säure-Basen-Haushalt noch nichts gehört hat, kennt mit Sicherheit den Begriff „Übersäuerung“. Aber was genau steht hinter einer „Übersäuerung“, wie kommt sie zustande, und was kann jeder einzelne durch seine Ernährung dazu beitragen, dass man(n) oder Frau erst gar nicht „sauer“ wird?

 

Die heutige Vorstellung von einer „Übersäuerung“ wurde auf das Bild des
Säure-Basen-Gleichwichts, die zum Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschte  geprägt. Daraus haben sich im Laufe der vergangen 100 Jahre verschiedene Ansätze entwickelt, um einer „Übersäuerung“ entgegenzuwirken, den Körper zu „entschlacken“  und zu „entgiften“. Die wohl bekanntesten Verfahren sind Trennkost und Heilfasten.

 

Der Säure-Basen-Haushalt

 

Für das „Richtige“ programmieren und funktionieren von Eiweißen
(Proteinen), für funktionsfähige Zellen und Zellhüllen (Membranen) ist ein
ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt von übergeordneter Bedeutung. Er ist damit für alle natürlichen Stoffwechselprozesse des Körpers zentral.

 

Was aber ist der Säure-Basen-Haushalt? Der Begriff gibt kurz gesagt
Auskunft über Regulation des Gehalts an Wasserstoffmolekülen (H+) im
Körper, die als pH-Wert gemessen werden. Ein pH-Wert >7 ist basisch, ein
Wert <7 sauer.

Der pH-Wert bei gesunden Menschen liegt in verschiedenen Bereichen des
Körpers bei zirka 7,0. Er kann beispielsweise im Blut durch eine Blutgasanalyse ermittelt werden.

Wasserstoffmoleküle haben die Eigenschaft, dass sie sehr gerne mit
anderen Elementen reagieren und damit den Säure-Basen-Haushalt ins Wanken bringen könnten. Damit dies nicht (oder nicht so schnell) passiert, hat unser Körper ein eigenes Regulationssystem entwickelt, dass den Säure-Basen-Haushalt konstant hält. Das sind die sogenannten Puffersysteme (z.B. Hydrogencarbonat, Hämoglobin, Proteinat und Phosphat) sowie die Lungen, Nieren und Leber.

Sowohl die Puffersysteme als auch die Funktionen der Lungen, Nieren und
Leber sind dazu in der Lage, überschüssige Säuren- bzw. Basenstoffe
auszuscheiden oder zu verstoffwechseln!

 

Wie kommt eine Störung des Säure-Basen-Haushalts zustande?

 

Tatsächlich kann der Organismus „übersäuern“ im Sinne eines
pH-Wert-Abfalls unter <7. Dieser Zustand wird als Azidose bezeichnet. Meist funktionieren hier Puffersysteme, allen voran Hydrogencarbonat, nicht korrekt. Es kommt aber auch gehäuft bei Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Hungern, intensiver körperlicher Aktivität, bei  Vergiftungen oder chronischer Niereninsuffizienz vor.

 

Den Begriff „überbasen“ gibt es hingegen im deutschen Sprachgebrauch nicht, obwohl auch das Gegenteil einer „Übersäuerung“ möglich ist. Beispielsweise bei häufig wiederholtem Erbrechen, kann es zum einen Anstieg der Hydrogencarbonat-Konzentration in der Blutflüssigkeit (Plasma) kommen und damit zu einem Anstieg des pH-Wertes im Blut. In der Fachsprache wird dieser Zustand Alkalose genannt.

 

Ernährung und Säure-Basen-Haushalt

 

Wenn also der pH-Wert des Körpers von Wasserstoffmolekülen beeinflusst
wird, stellt sich die Frage, woher diese Wasserstoffmoleküle kommen!

Die einfache Antwort hierzu lautet: durch die tägliche Ernährung. Jedes
Lebensmittel, das wir essen hat einen direkten Einfluss auf unseren Säure-Basen-Haushalt.
Andererseits bedeutet dieser Umstand auch, dass Lebensmittel, auf die wir im Rahmen von speziellen Ernährungsformen, z.B. Trennkost, verzichten, ebenfalls einen Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt haben.

 

Im Mittelpunkt der Säuremenge (Säurelast) stehen die Nieren. Diese
Filterorgane scheiden überschüssige Säuremengen aus und können das gefilterte, wichtige Hydrogencarbonat dem Körper zurückführen.

Wie hoch also die „Säurelast“ der Nieren ist, hängt eng mit der
Lebensmittelauswahl und der Ernährungsform zusammen.

 

Welche Lebensmittel sind also basisch bzw. alkalisierend? Zusammenfassend lässt sich sagen, dass pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Salate und
Fruchtsäfte alkalisierend sind. Vor allem Zitronensäure (reichlich vorhanden in Orangen), sorgt dafür, dass der Körper viel Hydrogencarbonat erhält und kann damit einer „Übersäuerung“ entgegenwirken! Gleiches gilt für Mineralwässer mit einem hohen Hydrogencarbonatgehalt (z.B. 3388 mg/l).

 

Für passionierte Fleischesser und Verfechter von proteinbetonten Ernährungsformen dürften die folgenden Nachrichten ungelegen kommen; denn vor allem eiweißreiche Lebensmittel tierischer Herkunft wie Fleisch, Wurst, Fisch und Käse, aber auch sulfatreiche Mineralwasser und phosphathaltige Getränke (z.B. Kola) gehören in die Gruppe der „säuernden“ Lebensmittel.

Milch, Molkeprodukte, Brot und Nudeln sind ebenfalls „sauer“. Die
Säurelast ist aber deutlich geringer als bei Fleisch, Fisch und Käse.

 

Einfluss von Ernährungsformen auf den Säure-Basen-Haushalt

 

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt hängt eindeutig von der täglichen Ernährung ab, und ist sogar messbar.

Am besten schneiden Personen ab, die sich von pflanzlichen Lebensmitteln
sowie Eiern und Milchprodukten ernähren (ovo-lacto-vegetabile Kost). Ihr
Harn-pH-Wert ist am wenigsten sauer.

Ebenfalls gut schneiden Ernährungsformen mit einem mäßigem Eiweißkonsum (wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst) ab. Hier liegt der Harn-pH-Wert nur leicht unter dem von ovo-lacto-Vegetariern.

Am schlechtesten stehen diejenigen da, die sehr proteinreich ernähren,
d.h. viel Fleisch, Wurst, Fisch und Käse essen.

 

Trennkost

 

Vertreter der Trennkost wollen u.a. einer so genannten „Übersäuerung“
entgegenwirken. Dazu sollen Proteine und Kohlenhydrate in der Ernährung
getrennt gegessen werden. Außerdem sollen „basenüberschüssige“ Lebensmittel bevorzugt verzehrt werden. Da Proteine und Kohlenhydrate jedoch immer gleichzeitig verdaut werden, ist Trennkost wissenschaftlich nicht begründbar.

Außerdem bilden Lebensmittel keine „Schlacken“. Endprodukte des
Stoffwechsels werden natürlicherweise über die Nieren ausgeschieden!

Darüber hinaus verhindert die Trennung der Lebensmittel eine optimale
Ergänzung verschiedener Inhaltsstoffe. Wichtige Lebensmittel wie Getreide- und Milchprodukte werden in dieser Kostform, da „säureüberschüssig“, in zu geringen Mengen empfohlen.

 

Fasten

 

Fastenkuren dienen dazu das Körpergewicht zu reduzieren und/oder die „Entschlackung“ und „Entgiftung“ des Körpers zu fördern.

Grundsätzlich ist eine Fastenkur für Gesunde unter ärztlicher Aufsicht
möglich.
Allerdings kann eine Fastenkur so manche Probleme nach sich ziehen. Zum einen gibt es im gesunden menschlichen Körper keine Ansammlung von „Schlacken“ oder Stoffwechselendprodukten. Alle nicht verwertbaren Endprodukte werden über die Nieren aus dem Körper entfernt (Urin).

Wird hingegen auf eine Nahrungsaufnahme verzichtet, kommt es in Folge des „Hungerstoffwechsels“ zur Bildung von so genannten Ketonkörpern, die im Blut messbar sind. Erkennbar ist die vermehrte  Ketonkörperproduktion beim Fasten an Mund- und Körpergeruch. In Folge kann es zu einer wenig oder stärker ausgeprägten Ketoazidose kommen, die im Volksmund als „Übersäuerung“ bekannt ist.

Aber damit noch nicht genug: die Ketonkörper verhindern teilweise die
Harnsäureausscheidung über die Nieren. Die Gefahr eines akuten Gichtanfalls besteht! Harnsäuresteine können gebildet werden!

 

Zu guter Letzt kommt es durch den „Hungerstoffwechsel“ zum Abbau von
Körpereiweißen, speziell der Skelettmuskulatur.

 

Fazit

 

Wer sich ausgewogen mit mäßiger Eiweißaufnahme ernährt, etwa 250 g Obst und 400 g Gemüse pro Tag verzehrt, dürfte nicht nur einen positiv
ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt haben, sondern langfristig
ernährungsbedingten Krankheiten vorbeugen.

 

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschua-Braus, Frankfurt
a. Main 2000

 

Manz F: History of nutrition an acid-base physiology. In: Journal of Nutrition 2001; 40: 189-199

 

Rose BD, Post TW: Clinical phyiology of acid-base and electrolyte disorders. 5th edition, McGraw-Hill, New York 2001

 

Wilhelmi de Toledo F: Heilfasten. In: Jenik H, Kraft M, Miko M, et al.: Leitfaden Ernährungsmedizin.
Urban und Fischer Verlag, München 2005, S. 242-249

 

 

 

*Wichtiger Hinweis: Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist geistiges
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bedarf der ausdrücklichen Zustimmung von Frau Dr. Nadine Berling-Aumann.

 

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